Spiel: Mystic Vale (Pegasus)

Was für ein cooler Mechanismus.
Von John D. Clair (ca. 45-60 Min.; 2-4 Spieler)
Eigentlich ist es falsch, den Mechanismus zu loben, sondern es müsste heißen: „Cooles Material“. Der Mechanismus nämlich und auch das ganze Spiel ist eigentlich nichts weiter als Dominion, also ein Deckbuilder. Nur vergrößern wir hier nicht unser Deck, sondern verändern die Karten in unserem Deck. Wie soll das gehen?
Jeder Spieler erhält Sleeves / Hüllen, in denen er seine Karten hineingibt. Die Karten selbst bestehen aus einem transparenten Plastikmaterial, von denen immer nur ein Drittel bedruckt ist. Ich kann also in meine Hülle bis zu drei solcher Karten übereinander hineinschieben, wobei sich die bedruckten Teile nicht überdecken dürfen. Indem ich also Karten kaufe und reinschiebe, verändere ich ständig meine Sleeves, wodurch keine identisch ist. Es gilt also nicht nur zu bedenken, was ich kaufen möchte, sondern auch in welcher Hülle ich die neue Karte mit etwas anderem kombinieren möchte. Das ist wirklich sehr interessant und lustig.
Das Spiel selbst ist wie Dominion, jeder verändert sein Deck und spielt vor sich hin, es gibt kaum Interaktion. Weil aber das mit dem Karten basteln so cool ist, macht das auch die ersten Partien viel Spaß. Irgendwann aber wird es langweilig, weil die Anzahl der Karten recht klein ist und man bald alles kennengelernt hat. Wer Dominion mag, wird auch Mystic Vale mögen. Durch den netten Push-your-Luck-Mechanismus beim Kartenheben kommt sogar immer wieder etwas Spannung auf und weil man für die Missionen Symbole sammeln muss, gibt es sogar ein Ziel, das man irgendwie zu erreichen anstrebt, was ein weiterer Grund ist, dieses Spiel qualitativ über Dominion zu setzen.
Fazit: Sehr zu empfehlen.

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Mystic Vale
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Buch: Reynolds, Alastair – Duplikat (Poseidon’s Children Trilogie 2)

Der zweite Teil der Akinya-Trilogie spielt 200 Jahre nach dem ersten und ist ganz anders, aber auch faszinierend.
Inhalt: Erzählt wird die Geschichte von Chiku Akinya, Tochter der Protagonisten des ersten Bandes. Sie hat von sich zwei Klone anfertigen lassen und sie führen nun drei sehr unterschiedliche Leben, doch immer mit dem Ziel, das Rätsel um ihre Großmutter Eunice zu erforschen, was ja schon der Plot des ersten Bandes war. Chiku Gelb blieb auf der Erde zurück, Chiku Rot streift durchs Sonnensystem und Chiku Grün befindet sich auf einem Holoschiff, das zu einem weit entfernen Planeten reist.
Ich hatte bereits während des ersten Bandes und auch jetzt wieder das Gefühl, dass Reynolds eine zu fantastische Zukunftsvision hat. Während die Expanse-Serie von Realismus lebt, man sich all die Dinge wirklich vorstellen kann, stellt man sich hier jedoch sehr oft die Frage „Kann das wirklich sein?“. Und das liegt daran, dass die Bücher in der nahen Zukunft spielen, nämlich im Jahre 2160, bzw. 2365, die Technologie aber zu futuristisch wirkt, als wäre das in diesem kurzen Zeitraum gar nicht möglich. Versteht mich nicht falsch, ich liebe großangelegte, extravagante Zukunftsvisionen, nur finde ich, dass die Kombination aus Naher Zukunft und Extrem Fortschrittlicher Technologie irgendwie nicht passt, ebenso die massiven sozialen und politischen Umwälzungen. Das ist aber mein persönlicher Stolperstein und die meisten werden wohl keinen zweiten Gedanken daran verschwenden.
Der Plot selbst ist echt toll, wenn auch streckenweise etwas langatmig. Die offenen Fragen aus dem ersten Band und die drei Handlungen in diesem werden zu einem großartigen Ende zusammengeführt. Eigentlich braucht es gar keinen dritten mehr, dennoch ist das eine Trilogie. Hm, ich bin gespannt.
Das Herz dieses Buches ist Chiku, die in drei Varianten auftritt. Es ist wirklich faszinierend zu sehen, wie sich die drei Charaktere, die dieselben Erinnerungen, Gefühle, Erfahrungen haben, sich so unterschiedlich entwickeln, nur weil sie plötzlich mit anderen Geschehnissen und Personen konfrontiert werden. Die kleinsten Elemente können eine Person verändern und am Ende möchte man gar nicht glauben, dass die Mal derselbe Mensch waren.
Fazit: Fans des ersten Bandes werden auch hier ihre helle Freude haben.

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Duplikat (Poseidons Children, Band 2)
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Show: Full Frontal with Samantha Bee

Diese Show könnte man als Last Week Tonight mit einem feministischen Touch bezeichnen. Beide Shows gehen in eine ähnliche Richtung, wobei jedoch bei LWT eine viel gründlichere Recherche vorliegt, der Hauptbeitrag auch dementsprechend immer lang und ausführlich ist. FF hingegen legt seinen Fokus mehr auf den Kontakt mit Menschen, Interviews und Berichten vor Ort, die natürlich immer sehr witzig gemacht sind. Der Humor von Sam Bee ist teilweise etwas gewöhnungsbedürftig, trifft den Nagel aber immer auf den Kopf und funktioniert gerade deshalb, weil er uns eben teilweise überrascht. Die Korrespondenten hingegen, die auf der Straße unterwegs sind, sind wirklich großartig. Allein wegen diesen kann ich diese Show empfehlen, auch wenn man Sam Bees Art nicht mag.
Fazit: Gute Unterhaltung einmal die Woche.

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Film: The Great Wall (2017)

Coole Fantasy-Action aus China.
Fantasy / Kampfkunst mit Matt Damon von Zhang Yimou. 120 Min.
Inhalt: Ein englischer Händler stößt auf seiner Suche nach Schießpulver auf die Große Chinesische Mauer, die jedoch nicht dazu dient, Barbaren fernzuhalten, sondern Monster. Bevor er sich versieht, steckt er schon in Lebensgefahr und muss bei der Verteidigung helfen.
Ich mag chinesische Filme und daher haben mich die Kampfsport-Effekte und die CGI-Qualität der Monster nicht weiter überrascht. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass Hollywood-gewöhnte Kinogeher vielleicht nicht so glücklich waren. Diese Dinge waren keineswegs schlecht, sie haben aber einen ganz eigenen Stil, den man mögen oder zumindest akzeptieren muss. Mir gefallen diese Fantasy-Filme aus China und somit auch The Great Wall.
Der Plot selbst ist recht geradlinig, liegt doch der Fokus auf Kämpfen und Spannung. Die Schauspieler sind auch gut und der Humor passt ebenfalls, was will man mehr?
Sprechen wir nun also über Matt Damon, dem ja sog. „Whitewhashing“ vorgeworfen wurde [zu diesem Thema kommt demnächst ein Gedankensprung]. Das ist absolut lächerlich. Er spielt einen englischen Händler, der nach China kommt. Der ganze Plot des Films basiert darauf, dass er Europäer ist und kein Asiate. Außerdem ist es ein Fantasyfilm, wo solche historischen kulturellen Zuordnungen eh keine Rolle spielen. Abgesehen davon finde ich schon, dass er eine solide Performance gezeigt hat.
Fazit: Gute Abendunterhaltung für Freunde der chinesischen Filmkunst.

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The Great Wall
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Gedankensprung: Filme aus Österreich

Da ich letztens den Film Die Mamba gesehen habe, dachte ich mir, ich könnte mich ja Mal etwas näher mit der österreichischen Filmindustrie auseinandersetzen. Und da werden wir auch schon mit einem großen Problem konfrontiert: Sprache.
In Österreich wird das gleiche Standarddeutsch, bzw. Hochdeutsch gesprochen wie auch in Köln, Hamburg oder Berlin. Auch in der Schweiz ist dies der Fall. Alle lernen in der Schule das gleiche Deutsch, um sich im gesamten deutschsprachigen Raum verständigen zu können. Und überall wird im regionalen, familiären Kontext Dialekt gesprochen. Ein Berliner, der im ärgsten Dialekt spricht, wird in Wien nicht verstanden und umgekehrt. Nun ist es aber so, dass man in Österreich eine andere Beziehung zum Dialekt hat als in Deutschland und in der Schweiz ist es sogar noch stärker. Die Fernseh-, Film- und Musikindustrie in Deutschland produziert alles im überall verständlichen Standarddeutsch. In der Schweiz ist hingegen das Swyzer Dütsch omnipräsent, im Radio, bei der Fußballmoderation oder bei den Nachrichten. Die Schweizer können Standarddeutsch, sprechen es aber nur, wenn unbedingt nötig. Da wird sicher ein gewisser Stolz auf die kulturelle Eigenart eine Rolle spielen. In Österreich gibt es eine Mischform dieser beiden Extreme. Im Fernsehen, Radio und dem alltäglichen öffentlichen Leben gilt nur das Standarddeutsch, Musik und Film ist hingegen vom Dialekt geprägt, bzw. war es lange Zeit. Da diese beiden Kunstformen hauptsächlich in Dialekt gehalten sind, wurden sie auch nur selten über die Grenzen dieses kleinen Landes hinweg bekannt. Daher rührt vermutlich auch der Eindruck in Deutschland, dass die da in Österreich kein Deutsch können, sondern nur Dialekt.
Natürlich hat es immer Ausnahmen gegeben und vor Allem in den letzten Jahren hat auch in diesem Bereich Standarddeutsch Einzug gehalten, um nicht zuletzt ein größeres Publikum anzusprechen. Also, nur weil ein Film aus Österreich kommt, sollte man nicht automatisch abgeschreckt sein. Denn was Plot und Genre betrifft, gibt es auch hier eine große Varianz.

Sehr zu empfehlen ist der großartige Film Die Fälscher, der auch den Auslands-Oscar gewonnen hat. Wer Popcorn-Kino und Horror mag, sollte zu In 3 Tagen bist du tot greifen.
Ein sehr guter Film für all jene, die den Dialekt nicht scheuen, ist Komm, süßer Tod, einfach nur großartig.
Österreich ist aber auch für seine Dokumentationen bekannt, die sich jeder unbedingt anschauen sollte, z.B. Darwin’s Nightmare, Let’s Make Money, More than Honey, Alphabet und Plastic Planet.
Zu erwähnen sind auch noch Falco – Verdammt, wir leben noch!, ein gutes Biopic über Falco, Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott, eine lustige Komödie, Risse im Beton, ein gefühlvolles Migrantendrama, und Das finstere Tal, ein dunkles Genre-Mix aus Western und Heimatfilm.

Fazit: Gebt auch den Filmen aus Österreich eine Chance! Es muss nicht immer der neueste Hollywood-Blockbuster sein.

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Film: Assassin’s Creed (2016)

Manchmal ist ein Plot so dumm, dass man das Gefühl hat beim Zusehen zu verblöden.
Action-Fantasy mit Michael Fassbender von Justin Kurzel. 140 Min.
Inhalt: Ein Mann wird in eine Maschine gesteckt, mit der er die genetischen Erinnerungen eines seiner Vorfahren anschauen kann, um dann den Apfel von Eden zu finden, ein uraltes Artefakt, das den genetischen Code für den Freien Willen (?!) enthält.
Ich habe vor Jahren einmal probiert das Computerspiel zu spielen, aber ich habe die Story einfach nicht verstanden. Auch mit der Steuerung hatte ich Probleme. Aber ich verstehe sehr gut, wie das ein tolles Spiel sein kann. Ein Spiel, kein Film! Denn wenn man selber die Figur lenkt und tolle Action ausführt, ist das ein ganz anderes Gefühl. Und vielleicht ist im Spiel der Hintergrund auch besser recherchiert, denn dieses mittelalterliche Spanien, das man hier im Film sieht, ist einfach lächerlich. Dazu kommen dünne Charaktere, dumme Dialoge und schlechte Kulissen. Und dann dieses Ende! Ist ihnen da das Budget ausgegangen, noch eine Action-Sequenz zu drehen? Aber warum bringen sie dann alle in Position und wecken die Erwartung auf einen tollen Showdown, wenn nichts passiert?
Zwei Szenen seien aber positiv hervorgehoben, nämlich jene in der Erinnerung im mittelalterlichen Spanien. Der Mix dort aus Freerun / Parcour und Kampfsport ist sehr gut gemacht, dauern auch angenehm lange, um sie wirklich gut genießen zu können. Aber einen idiotischen Film nur wegen zwei coolen Szenen zu schauen lohnt sich nicht.
Fazit: Nicht zu empfehlen.

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Spiel: Hit Z Road (Asmodee)

Spiele mit Ausscheide-Mechanismus finde ich generell schlecht. Dieses hat aber noch mehr Mängel.
Von Martin Wallace (ca. 30-60 Min.; 1-4 Spieler)
An sich ist Martin Wallace ja für seine hochstrategischen Spiele bekannt, in letzter Zeit hat er sich aber eher auf Quantität statt Qualität verlegt. In diesem Sinne ist auch dieses Spiel zu betrachten, einfach schnell auf den Markt geworfen mit beliebtem Thema (Zombies), bewährtem Mechanismus (Würfelglück) und einem bekannten Namen als Autor (Wallace). Aber leider funktioniert dieses Spiel so gar nicht.
Wir sind Überlebende, die in einer Zombie-Apokalypse einen bestimmten Ort erreichen möchten. Jede Runde werden Karten aufgedeckt und dann wird geboten, wer wohin möchte. Wer am meisten bietet, darf als erstes auswählen, wer am wenigsten bietet, muss schauen, was übrig bleibt. Klingt eigentlich nicht schlecht, nur gibt es einen ständigen Ressourcenmangel, weshalb man kaum etwas bieten kann. Es gibt zehn Bietfelder, aber meistens bleibt man bei den Niederen oder bietet erst gar nicht. Denn die Ressourcen werden bei den Zombiekämpfen bitter benötigt. Außerdem sind die Karten meist so ähnlich, dass es einem relativ egal ist, wo man landet. Und wenn es einem nicht egal ist, riskiert man pleite zu gehen beim Bieten, wodurch sämtliche nächsten Runden nur schwer zu bestehen sind.
Dazu kommt aber noch das brutale Würfelglück, das hier für einen Sieg nötig ist. Wer Pech hat, kann schon in der ersten Runde ausscheiden.
Fazit: Nicht zu empfehlen.

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Buch: Leckie, Ann – Das Imperium (Imperial Radch Trilogie 3)

Die Maschinen-Trilogie ist nun zu Ende, ein einzigartiges Leseerlebnis.
Inhalt: Der Bürgerkrieg im Radch-Imperium nähert sich seinem Ende und ein Sieger scheint festzustehen, als plötzlich die unberechenbare Spezies der Presger einen Abgesandten schickt und eine Person auftaucht, die es eigentlich nicht geben dürfte.
Diese Trilogie hat sich deshalb das Prädikat „einzigartig“ verdient, weil in kaum einem anderen Buch Maschinen und Künstlichen Intelligenzen derart lebendig beschrieben werden. Normalerweise wird beschrieben, wie KIs den Wunsch verfolgen, Menschen zu werden, oder wie sie die Menschheit einfach ausrotten. Doch nicht hier. KIs sind eigentlich zufrieden mit ihrer Situation und der Hauptcharakter, die KI Breq, ärgert sich ständig, dass er in seinem menschlichen Körper so limitiert ist. Auch wird immer wieder wunderbar beschrieben, wie Breq als KI sehr oft Probleme hat, Menschen und deren wahre Intentionen zu verstehen.
Neben dieser Darstellung ist aber auch das erschaffene Universum selbst äußerst faszinierend. Die Imperatorin Anaander Miaanai hat ihre Intelligenz auf viele Hundert Körper gespalten, um das Imperium effektiver regieren zu können. Diese KIs entwickeln sich nun unabhängig voneinander weiter und es kommt zu einem Bürgerkrieg zwischen den aggressiven und den friedfertigen Teilen. Die Radch-Trilogie erzählt die Geschichte, wie eine kleine Gruppe von Personen an den Fundamenten eines ganzen Imperiums rütteln kann. Der dritte Band hier, Das Imperium, bringt ein zufriedenstellendes Ende mit genug Platz, um weitere Geschichten in diesem Universum zu erzählen.
Etwas bemängeln muss man den moralisierenden Unterton, der immer wieder hervorbricht und die eher vereinfachte Darstellung von Gut und Böse, wobei man sich Breq teilweise mit einem Heiligenschein vorstellen möchte. Das ist aber weiter nicht schlimm, geht es doch hauptsächlich um Maschinen und KIs, deren Entwicklung, Interaktion und Weltanschauungen. In diesem Sinne ist diese Space Opera äußerst faszinierend. Sehr oft merkt man, wie SF-Autoren damit kämpfen, eine Balance zwischen KIs und Menschen zu finden. Wann wird es langweilig, weil die Menschen eigentlich nichts tun müssen, wann wird es unlogisch, eine KI das nicht machen zu lassen? Der menschliche Faktor ist ein wichtiges Element von Romanen, ihre Emotionen und Beweggründe. Leckie schafft es hier diese Elemente gelungen auf die Maschinen zu übertragen und erforscht all die Implikationen, die damit einhergehen.
Nach dem ersten sehr starken Band, den man eigentlich einen Space-Thriller nennen könnte, kam ein eher langsamer, philosophischer zweiter und jetzt am Ende ein guter, zufriedenstellender dritter, der jedoch auch nicht an den ersten heranreicht. Gesamt gesehen ist die Trilogie sicher eines des besseren SF-Werke der letzten Jahre.
Fazit: Sicher kein Werk für SF-Novizen, aber Genre-Liebhaber werden ihre Freude damit haben.

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Das Imperium (Die Maschinen, Band 3)
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Serie: Bosch – Staffel 1 & 2

Eine Noir-Cop-Story in LA mit toller Atmosphäre.
Staffel 1 ist sehr gut, Staffel 2 lässt jedoch erheblich nach. Das liegt einfach darin, dass in Staffel 1 noch eine Vorgeschichte und Harrys Vergangenheit aufgearbeitet werden, gemeinsam mit einem beinahe verjährten Mord und einem flüchtigen Serienkiller. Hier kommen die vielen Facetten von Boschs Charakter zum Tragen und man kann in die düsteren Seiten von LA eintauchen. Staffel 1 ist eine runde Geschichte, spannend und mit einem guten Abschluss.
Dann kommt Staffel 2, die nur noch von diesem einen Mord lebt, was leider zu wenig ist. Bosch verkommt zu einem eher generischen Cop mit den typischen Problemen. Am Ende wird wieder seine Vergangenheit aufgegriffen und dann damit endgültig abgeschlossen. Vermutlich haben sie gemerkt, dass der Serie etwas fehlt und wollten damit noch etwas von der Atmosphäre retten. Es gibt noch zwei Subplots. Einer behandelt die Bürgermeisterwahl und ist sehr langweilig. Diesen gab es bereits in Staffel 1, dort war er aber noch recht klein gehalten und involvierte Bosch konkret. In Staffel 2 wird er unnötig aufgebauscht und hat mit Bosch eigentlich nichts zu tun. Der andere behandelt einen Undercover-Agenten, der korrupte Bullen aufdecken soll. Dieser Handlungsstrang ist sehr interessant, kommt aber viel zu kurz. Die Prioritäten sind da leider etwas falsch gelegt worden.
Staffel 3 hat viel Potenzial. Mit einem spannenden Mord, einem interessanten Antagonisten kann viel herausgeholt werden. Auch gibt es im dunklen LA noch viel zu erforschen. Sie müssen nur die Bürgermeisterwahl wieder zurückschrauben und sich bewusst sein, dass Boschs Vergangenheit nun nicht mehr aufgewärmt werden kann.
Was mir bei der Serie stark aufgefallen ist, ist die seltsame ethnografische Verteilung der Schauspieler. Weiße überwiegen natürlich, nur wenige Afroamerikaner gibt es in höheren Rängen, aber dafür sind sie zuhauf bei der Streifenpolizei. Latinos sucht man vergeblich, außer dann bei den Kriminellen. Es fühlt sich irgendwie so an, als hätte man händeringend jeden afroamerikanischen Statisten geholt, um ja viel Diversität zu haben, hat dann aber auf die andere Minderheit vergessen, die in Folge nur auf der falschen Seite des Gesetzes vorkommt.
Fazit: Die erste Staffel kann ich jedem empfehlen, die zweite kann man dann durchaus direkt anschließend schauen und so tun, als wären die beiden gemeinsam eine lange Staffel.

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Film: Lion (2017)

Ein schöner Film mit ein paar Schwächen. Basierend auf einer wahren Begebenheit.
Drama mit Dev Patel von Garth Davis. 120 Min.
Inhalt: Der fünfjährigen Saroo wächst in einer indischen Kleinstadt in ärmlichen Verhältnissen auf. Eines Tages möchte er seinen älteren Bruder zu dessen Arbeit begleiten, schläft dann aber in einem Zug ein, der drei Tage bis Kalkutta durchfährt. Dort muss er sich einige Wochen durchschlagen, bis er in ein Waisenhaus kommt und dann von einem australischen Paar adoptiert wird. 20 Jahre später plagen ihn die Erinnerungen an seine Kindheit und mit Google Earth folgt er den Zuglinien und zoomt auf hunderte von Bahnhöfen, um Hinweise zu finden.
Der Film besteht aus zwei Teilen. In der ersten Hälfte wird die Kindheit von Saroo dargestellt, die glückliche Zeit bei seiner Familie und dann die traumatischen Erlebnisse in Kalkutta. Der indische Kinderdarsteller ist einfach großartig und die bedrückende Atmosphäre ist sehr gut eingefangen. Man ist sofort gefesselt von den Ereignissen und wird intensiv emotional mitgerissen. Doch dann kommt die zweite Hälfte, als Dev Patel den erwachsenen Saroo spielt. Hier nun gibt es für mich zwei Probleme: Erstens Spielt Nicole Kidman als Adoptivmutter übertrieben emotional, als würde sie jedem beweisen wollen, dass sie eine großartige Charakterdarstellerin ist. Ich finde ihre Performance einfach schlecht. Zweitens wird die Rückkehr Saroos in die indische Kultur viel zu hastig gezeigt. Da hätte ich mir mehr erwartet, stattdessen ist so eine komische Liebesgeschichte im Vordergrund, die dem Plot und der Atmosphäre nur im Wege steht. Auch seine Google Earth Recherche hätte interessanter gestaltet werden können. Als er dann aber wieder nach Indien reist, gibt es ein wunderbares, emotional zufriedenstellendes Ende.
Die erste Hälfte des Films ist so gut gemacht, dass man über die Mängel des zweiten Teils leicht hinwegblickt, weil man einfach das Ende kaum noch abwarten kann.
Fazit: Sehr zu empfehlen.

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Lion – Der lange Weg nach Hause
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